Gemeinderat berät über Wohnbauentwicklung, Gebühren und städtische Finanzen
Der Gemeinderat der Stadt Künzelsau hat sich in seiner vergangenen Sitzung am 20. Oktober 2026 mit zahlreichen Themen der Stadtentwicklung, der kommunalen Finanzen und der öffentlichen Infrastruktur beschäftigt. Darunter der Bebauungsplan „Wohnen am Wartberg“, die Überprüfung verschiedener Gebühren und die Sanierung der Wasser- und Kanalleitungen.
Friedhofsgebühren: Weitere Beratung im November
Die Gebühren für Bestattungen und die Nutzung der Friedhöfe sollen neu kalkuliert werden. Die letzte Gebührenanpassung erfolgte im Jahr 2015. In den Jahren 2023 und 2024 lag die Kostendeckung durchschnittlich bei rund 73 Prozent. Das jährliche Defizit betrug etwa 120.000 Euro. Auch die laufenden Kosten etwa für die Aussegnungshalle wurden thematisiert.
Dem Gemeinderat wurden verschiedene Berechnungsvarianten mit einer angestrebten Kostendeckung von etwa 80 beziehungsweise 85 Prozent vorgestellt. Dabei wurden auch neue Grabarten und Änderungen der Friedhofsordnung berücksichtigt. Unter anderem sollen die Wahl des Friedhofs im Stadtgebiet erleichtert und die Ruhezeiten für bestimmte Grabarten verkürzt werden.
In der Diskussion wurden die teilweise deutlichen Gebührensteigerungen kritisch hinterfragt. Mitglieder des Gemeinderats sprachen sich dafür aus, die Gebührenentwicklung künftig regelmäßiger zu überprüfen. Eine Entscheidung wurde in die Novembersitzung vertagt.
Unterstützung für kirchliche Einrichtungen
Der Gemeinderat hat den Weg für einen städtischen Zuschuss von rund 7.000 Euro zur Wiederinbetriebnahme der Turmuhrenanlage der griechisch-orthodoxen Kirche geebnet. Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich laut Antrag auf rund 11.100 Euro. Neben dem beantragten städtischen Zuschuss sollen Spenden und Eigenmittel der Kirchengemeinde zur Finanzierung beitragen.
Darüber hinaus informierte Pfarrer Professor Dr. Jörg Hübner von der evangelischen Kirchengemeinde über den Sanierungsbedarf an der Johanneskirche. Untersuchungen haben Schäden an Dachbalken und am Kirchturm festgestellt. Der Kirchturm ist aus Sicherheitsgründen derzeit gesperrt. Ob das traditionelle Engelesblasen an Heiligabend dort stattfinden kann, hängt von den weiteren Untersuchungen und einer fachlichen Freigabe ab. Als Alternative hat Bürgermeister Stefan Neumann den Rathaus-Turm angeboten. Eine genauere Kostenberechnung zur umfassenden Sanierung von Dach und Turm soll im Frühjahr 2027 vorliegen. Über einen städtischen Zuschuss soll entschieden werden, wenn die Gesamtkosten und die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten genauer feststehen.
Wohnbaugebiet am Wartberg: Nächster Verfahrensschritt beschlossen
Für das geplante Wohngebiet „Wohnen am Wartberg“ hat der Gemeinderat den Bebauungsplanentwurf gebilligt. Damit können die öffentliche Auslegung und die Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange vorbereitet werden. Vorgesehen sind fünf Mehrfamilienhäuser mit begrünten Freiflächen. Die Erschließung soll von der Komburgstraße aus erfolgen. Für die Gebäude sind Tiefgaragen geplant. Der Entwurf enthält zudem umfangreiche Vorgaben zur Begrünung, zum Umgang mit Niederschlagswasser, zum Schutz von Bäumen und Gehölzen sowie zur Gestaltung der Freiflächen. In der Beratung wurden insbesondere die Auswirkungen einer Bebauung auf das Stadtklima und mögliche Kaltluftströme sowie die Erreichbarkeit für Feuerwehr- und Müllfahrzeuge angesprochen. Der Beschluss wurde mehrheitlich gefasst.
Breitbandversorgung: Bauleistung vergeben
Für die Breitbandanbindung Seeleswald und Gewerbegebiet Amrichshausen hat der Gemeinderat die Vergabe der Bauleistung einstimmig beschlossen. Damit wurde ein weiterer Schritt zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur auf den Weg gebracht.
Wasser- und Abwassergebühren: Anpassungen für 2027 vorgesehen
Für das Wirtschaftsjahr 2027 wurden Anpassungen der Wasser- und Abwassergebühren vorgestellt. Vorgesehen ist, die Wasserverbrauchsgebühr von derzeit 3,90 Euro auf 4,00 Euro je Kubikmeter zu erhöhen. Die Schmutzwassergebühr soll um 25 Cent auf 3,45 Euro je Kubikmeter steigen. Bei der Niederschlagswassergebühr ist eine Erhöhung um fünf Cent auf 0,50 Euro je Quadratmeter vorgesehen. Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Wasserverbrauch von 125 Kubikmetern ergibt sich daraus eine zusätzliche Belastung von rund 60 Euro im Jahr. Die Änderungen der Wasser- und Abwassergebühren wurden einstimmig beschlossen.
Erdgasversorgung von 2028 bis 2030
Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, dass die Stadt Künzelsau an der europaweiten Bündelausschreibung für Erdgas für die Jahre 2028 bis 2030 teilnimmt. Die Ausschreibung erfolgt über die Gt-service Dienstleistungsgesellschaft mbH des Gemeindetags Baden-Württemberg. Die bisherige Erdgasversorgung läuft Ende 2027 aus.
Nachtragshaushalt 2026 einstimmig beschlossen
Der Gemeinderat hat die erste Nachtragshaushaltssatzung und den ersten Nachtragshaushaltsplan der Stadt Künzelsau sowie den ersten Nachtragswirtschaftsplan der KünWerke für 2026 einstimmig verabschiedet. Im Ergebnishaushalt verbessert sich das geplante Ergebnis. Wesentlich tragen unter anderem Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer dazu bei. Gleichzeitig entstehen in verschiedenen Bereichen zusätzliche Aufwendungen, unter anderem für die Stadtentwicklung, Tiefbaumaßnahmen, Grünpflege und die Kochertalbahn. Auch weitere Ausgaben für Schulen und Kinderbetreuung sind berücksichtigt. Trotz des verbesserten Ergebnisses muss die Stadtverwaltung Künzelsau für Investitionen weiterhin auf vorhandene Liquiditätsreserven zurückgreifen.
Bei den Eigenbetrieben wurden einzelne Investitionen angepasst beziehungsweise, abhängig von den Entwicklungen im laufenden Jahr, ins Folgejahr verschoben. Über eine vorgesehene Kreditaufnahme soll zu einem späteren Zeitpunkt gesondert entschieden werden.
Wasser- und Kanalleitungen: Umfangreiche Sanierungen
Ein weiterer Schwerpunkt war die Erneuerung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur am Süd- und Nordhang. Viele Leitungen stammen aus den 1950er- und 1960er-Jahren und weisen altersbedingte Schäden auf. Im gesamten Stadtgebiet einschließlich der Stadtteile werden derzeit jährlich etwa 70 bis 80 Wasserrohrbrüche registriert.
Die KünWerke planen, Wasserleitungen und Kanäle schrittweise zu sanieren oder zu erneuern. Für die Auswahl der geeigneten Verfahren sind unter anderem der Zustand der Leitungen, die baulichen Gegebenheiten und die Kosten entscheidend. Je nach Zustand kann grabenlos oder in offener Bauweise vorgegangen werden. Die Tiefbaumaßnahmen sollen mit weiteren Versorgungsunternehmen abgestimmt werden, um Baustellen möglichst zu bündeln und Kosten zu begrenzen.
Neben den Sanierungen in der Kernstadt müssen die notwendigen Maßnahmen auch in den Stadtteilen berücksichtigt werden. Für mehrere Ortschaften sind entsprechende Projekte bereits in der mehrjährigen Planung enthalten. Die Umsetzung muss angesichts des Umfangs der Investitionen schrittweise erfolgen.
Einladung zur nächsten Sitzung
Die nächste Sitzung des Gemeinderates findet am Dienstag, 17. November 2026, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses in Künzelsau statt. Interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer sind herzlich willkommen. Die Tagesordnung ist, wie alle öffentlichen Sitzungstermine, Beratungsvorlagen, formalen Beschlüsse, Niederschriften und die Präsentationen, auf der städtischen Homepage zu finden: www.kuenzelsau.de/buergerinfoportal .

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