Blick auf das neue Rathaus in Künzelsau.

Reaktivierung Kochertalbahn

Land stellt Übernahme der Betriebskosten für einen Stundentakt in Aussicht

Vor einem Bahnhofsgebäude mit der Aufschrift "Waldenburg" sind ein roter alter Waggon und ein gelb-weißer Waggon zu sehen
Als "VDV Tram Train-Fahrzeug" wird der Waggon bezeichnet, der auf der reaktivierten Strecke zwischen dem Waldenburger Bahnhof und Künzelsau zum Einsatz kommen soll. Links daneben ist zum Vergleich ein "historischer" Waggon auf dem KI-generierten Bild zu sehen.

Planungen im Zeitplan / Vorzugstrasse – Tunnel zwischen Gaisbach und Künzelsau / Bahn soll 2030 „auf die Schiene kommen“

Die Vorplanungen zur Reaktivierung der Kochertalbahn zwischen Waldenburg und Künzelsau haben einen wichtigen Meilenstein erreicht: Nach der Prüfung verschiedener Trassenvarianten in Kupferzell und Gaisbach haben die Planer eine Vorzugstrasse erarbeitet. Diese wurde Mitte Juli in einer gemeinsamen Sitzung den Gemeinderäten der drei Anrainerkommunen Waldenburg, Kupferzell und Künzelsau sowie heute (5. August 2026) bei einem Pressegespräch Medienvertretern als Zwischenergebnis vorgestellt.

Die Stadtverwaltung Künzelsau hat die Projektträgerschaft bei der Reaktivierung der Kochertalbahn übernommen und bringt das Projekt in enger Abstimmung mit den Anrainerkommunen Waldenburg und Kupferzell sowie dem Landratsamt Hohenlohekreis voran. „Zurzeit holen wir auch Informationen über die Integrierte Projektabwicklung (IPA), eine innovative Vertragsform für komplexe Projekte, ein“, erläutert Bürgermeister Stefan Neumann. „Wir prüfen dabei Möglichkeiten für eine effiziente, partnerschaftliche und zügige Projektumsetzung. Die Planungen verlaufen weiterhin im Zeitplan. Weitere Ergebnisse der Vorplanung erwarten wir im Spätherbst und stellen diese wieder in den Gremien vor.“

Blick auf eine Tischreihe an der vier Personen sitzen, im Hingergrund eine Präsentation mit Infos zu Fördermitteln
Helen Weisser M.Eng., stellvertretende Projektleiterin von der Obermeyer Gruppe, Zweite von rechts, und Bürgermeister Stefan Neumann, stellen die Vorzugstrasse beim Pressegespräch im Künzelsauer Rathaus vor und erläutern die signalisierten Fördermittel. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau.

In der ersten Jahreshälfte 2027 soll die Vorplanung, die aktuell von der Ingenieurgemeinschaft der Büros Obermeyer, Schüßler-Plan und Transport Technologie-Consult Karlsruhe GmbH (TTK) erstellt wird, abgeschlossen werden. Dann werden die Gemeinderäte der drei Kommunen und der Kreistag die Entscheidung über die Vorzugstrasse treffen. Dafür ist auch ein positives Ergebnis der Standardisierten Bewertung erforderlich, einschließlich einer Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) mit einem Nutzen-Kosten-Indikator von über 1. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann im kommenden Jahr auch über das weitere Vergabeverfahren entschieden werden.

Wichtiger Zwischenschritt Vorzugsvariante – Baustart spätestens 2030

„Mit der Erarbeitung der Vorzugstrasse erreichen wir einen wichtigen Zwischenschritt. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich die intensive Planungsarbeit und die frühzeitige Bürgerbeteiligung gelohnt haben. Unser Ziel bleibt eine leistungsfähige, wirtschaftliche und möglichst verträgliche Lösung für die Menschen entlang der Strecke und der Baustart spätestens 2030“, sagt Bürgermeister Stefan Neumann.

Land signalisiert finanzielle Unterstützung

„Die Reaktivierung der Kochertalbahn schafft attraktive Angebote für die Menschen vor Ort und trägt auch gezielt zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts bei. Als Land unterstützen wir daher das Projekt kraftvoll mit einem Dreiklang aus Übernahme der Betriebskosten sowie der Kofinanzierung in der Bau- und Planungsphase“, betont die Verkehrsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Razavi MdL. Sie ergänzt: „Konkret kann ich in Aussicht stellen, dass wir die Betriebskosten auf der Strecke nach Künzelsau mindestens für einen Stundentakt übernehmen wollen.“ Zur Förderung von Bau- und Planung ergänzt die Ministerin: „Die Förderkulisse für Reaktivierungen ist nach wie vor sehr attraktiv. So finanziert der Bund derzeit bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten und zahlt auch eine Planungskostenpauschale. Wir haben vor, diese Förderung aufzustocken und mindestens 57,5 Prozent jener zuwendungsfähigen Bau- und Planungskosten zu finanzieren, die nicht vom Bund übernommen werden. Zudem sind wir bereit, die Hälfte der Planungskosten für die Leistungsphasen 3 und 4 vorzufinanzieren. Voraussetzung für unsere finanzielle Unterstützung ist selbstverständlich, dass das Projekt vor Ort weiterverfolgt wird.“

Übersicht der Trassenvarianten
Plan der Trassenvarianten: INGE KTB

Favorisiert: Trasse mit Tunnel

Die fachlichen Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die örtlichen Verhältnisse zwischen Gaisbach und Künzelsau grundsätzlich für einen Stadtbahntunnel geeignet sind. Nach Abwägung aller untersuchten Varianten empfiehlt Helen Weisser M.Eng., stellvertretende Projektleiterin von der Obermeyer Gruppe aus Karlsruhe, den Tunnel als Vorzugsvariante. „Wir haben die verschiedenen Trassen nach technischen, verkehrlichen, wirtschaftlichen und umweltbezogenen Kriterien bewertet. Der Tunnel bietet insgesamt die größten Vorteile und stellt aus heutiger Sicht die beste Lösung für die weitere Planung dar“, erläutert sie.

Für die Tunnelvariante sprechen mehrere wesentliche Aspekte. Ohne Tunnel wäre die Strecke zwischen Gaisbach und Künzelsau rund 4.500 Meter lang. Mit Tunnel verkürzen sich die Strecke um rund 2.920 Meter auf etwa 1.580 Meter und die Fahrzeit um etwa 3,5 Minuten. Das erhöht die Attraktivität der Bahn. Gleichzeitig werden Eingriffe in das Landschaftsbild sowie der Flächenverbrauch deutlich reduziert. Auch die baulichen Eingriffe im Künsbachtal sowie das Durchschneiden von Grundstücken und der notwendige Grunderwerb können auf ein Minimum begrenzt werden. Während für den Tunnel rund zehn Grundstücke zerschnitten werden, sind es bei der Umfahrungsvariante rund 50 Flurstücke. Darüber hinaus bleibt der beliebte Radweg deutlich weniger beeinträchtigt als bei oberirdischen Alternativen. Geplant ist, dass der Radweg überwiegend parallel zur Bahntrasse verläuft.

Helen Weisser stellt zusammenfassend fest: „Die Tunnelvariante ist unter Anwendung etablierter technischer Lösungen mit überschaubarem Risiko umsetzbar. Etwaige projektspezifische Risiken können durch vertiefende Baugrunduntersuchungen sowie eine angepasste Entwurfsplanung weiter minimiert werden.“

Fahrzeiten und Fahrtverlauf in Tabelle und als Bahnlinie dargestellt
Fahrtverlauf und Beispiele Reisezeiten: nvbw Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH

Streckenplanung: Durch Kupferzell und Gaisbach

Auch für die übrigen Streckenabschnitte liegen nun konkrete Planungsergebnisse vor. In Kupferzell soll die Trasse überwiegend im Bereich der ehemaligen Bahnstrecke sowie entlang der Künzelsauer Straße verlaufen. Für die Ortsdurchfahrt Gaisbach ist eine zweigleisige straßenbündige Führung im Verlauf der ehemaligen Bundesstraße 19 favorisiert. Aktuell wird auch geprüft, ob die Stadtbahn abschnittsweise auf einem besonderen Bahnkörper zwischen zwei Straßenfahrbahnen (Mittellage) oder seitlich (Seitenlage) einer Fahrbahn geführt wird.

Die Untersuchungen bestätigen außerdem, dass die bestehende Kocherbrücke in Künzelsau nach aktuellem Erkenntnisstand grundsätzlich für den Stadtbahnbetrieb genutzt werden kann. Dies stellt einen wichtigen Baustein für die weitere Streckenplanung dar.

Weiter mit Hochdruck – mehr Ergebnisse im Herbst

„Mit den jetzt vorliegenden Ergebnissen können wir die nächsten Schritte der aktuellen Vorplanung zielgerichtet vorbereiten. Gleichzeitig werden die noch offenen Fragestellungen weiter untersucht und vertieft, damit am Ende eine belastbare Vorplanung vorliegt“, so Helen Weisser.

Die Stadtverwaltung Künzelsau wird gemeinsam mit den beteiligten Kommunen, dem Landratsamt und Fachplanern die Vorplanung nun weiter ausarbeiten. Die Ergebnisse der nächsten Planungsschritte sollen im Spätherbst vorgestellt werden. Dann werden weitere Details zur Trassenführung, zur technischen Ausgestaltung sowie zu den weiteren Verfahrensschritten präsentiert.

Kochertalbahn stärkt den ÖPNV

„Wenn die Kochertalbahn auf die Schiene kommt, werden mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen“, ist Stefan Neumann sicher. „Die Reaktivierung der Kochertalbahn und die Elektrifizierung der Hohenlohebahn sind beispielhafte Infrastrukturvorhaben von Bund, Land und Kommunen. Mit der dadurch besseren Erschließung des Wirtschafts- und Lebensraums Hohenlohe werden mehr Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Es wird mehr Verkehr auf die Schiene verlagert. Arbeitsplätze, Schulen und andere Einrichtungen können besser erreicht werden. Die Region kann an überregionale Schienenverkehrsachsen angeschlossen werden“, blickt Bürgermeister Stefan Neumann in die Zukunft und schließt das Pressegespräch mit dem Dank an das Land Baden-Württemberg: „Wir sind dem Land sehr dankbar für die sehr gute Kooperation im Verfahren der Reaktivierung und für die signalisierte Förderung von Bau, Planung und Betrieb der Kochertalbahn.“

Aktuelle Informationen zum Projekt gibt es online auf der Projektseite kochertalbahn.info .