Kontakt:
Herr
Lutz-Jürgen Engelhardt
Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter
07940 129-316
07940 129-313
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Hilfe für Flüchtlinge

Geldspenden
Geldspenden für die Flüchtlingshilfe können zweckgebunden auf das Konto der Stadt überwiesen werden: IBAN DE02 6225 1550 0005 0018 08
Bitte vermerken Sie im Verwendungszweck: „Spende Flüchtlingshilfe“
Wenn Sie Ihre Postanschrift hinzufügen, kann Ihnen eine Spendenquittung zugesandt werden.

Für Ihre Spende bedanken wir uns ganz herzlich.

Mietwohnungen
Anerkannte Flüchtlinge suchen Mietwohnungen in Künzelsau. Dazu führt der Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt Künzelsau, Lutz Engelhardt, eine Wohnungsbörse. Meldungen freier Mietwohnungen jeder Größe, vom 1-Zimmer-Appartment über Wohnungen für kleine Wohngemeinschaften bis Wohnungen für eine größere Familie, werden im Rathaus gerne entgegengenommen und den Vermietern Mietinteressenten genannt.

Fragen zur Wohnraumvermietung an Flüchtlinge wird Lutz Engelhardt gerne beantworten. Bitte wenden Sie sich an Lutz Engelhardt telefonisch an 07940 129-316 oder per Mail an lutz.engelhardt@kuenzelsau.de.

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Als im vergangenen Jahr viele Menschen in Deutschland Zuflucht vor Krieg und Verfolgung gesucht haben, war Lutz Engelhardt schon längst in der Flüchtlingshilfe aktiv. Jetzt wurde aus dem Ehrenamt ein Hauptamt: Seit Februar ist er bei der Stadtverwaltung als Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter beschäftigt. Die Redaktion der Künzelsauer Nachrichten hat sich mit ihm unterhalten.
 
In Deutschland haben Viele geholfen und mit angepackt, als die aus Kriegsgebieten flüchtenden Menschen hier angekommen sind. Haben Sie auch zu den ersten Helfern im vergangenen Jahr gehört?
Im vergangenen Jahr war ich schon gut zwei Jahre in der Flüchtlingshilfe engagiert. Im zeitigen Frühjahr 2013 erkannte ich bei meinen ersten Kontakten mit Flüchtlingen, dass ich mit ihnen nicht kommunizieren konnte: nur wenige sprachen Englisch und nur ein einzelner Afghane sprach relativ gut Deutsch. Es gab keine Deutschkurse, die Flüchtlinge saßen nur völlig unbeschäftigt über Monate und Jahre in ihrer Unterkunft herum. Also setzte ich mich damals gezielt für Deutschkurse ein, die ich dann vormittags im Auftrag des Landratsamtes hauptamtlich und nachmittags und abends ehrenamtlich gab.
 
Was hat Sie so früh zum Helfen bewogen, was war Ihr Antrieb?

Das Wort “Integration” stand damals zwar im Gesetz, doch in der Verwaltung und der Bevölkerung war das gesellschaftliche Ziel der Integration weitgehend bedeutungslos. Spracherwerb ist der erste, unabdingbare Schritt zur Integration. Da ich damals aus der Erwachsenenbildung kam, sah ich hier meine Möglichkeit und meine Pflicht zu helfen.
 
Sie haben eine volle Stelle als Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter bei der Stadtverwaltung. Welche Voraussetzungen und Qualifikationen bringen Sie neben Ihrer bisherigen, gemischt haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe mit?
Als Volljurist bringe ich die Fähigkeit mit, die im Asyl- und Flüchtlingsbereich geltenden Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften schnell zu erfassen, umzusetzen und den von mir betreuten Ehrenamtlichen und Flüchtlingen zu erklären und verständlich zu machen. Zweitens habe ich in den Jahren meiner Deutschkurse die Fähigkeit verfeinert, auf Menschen anderer Sprache und Kultur offen zuzugehen und schnell einen vertrauensvollen Kontakt auf gleicher Augenhöhe aufzubauen. Und drittens bin ich als geborener Künzelsauer, als Ehrenamtlicher der ersten Stunde, als Gründungsmitglied des Arbeitskreises Asyl Künzelsau, als Mitglied in verschiedenen Künzelsauer Vereinen, als ehemaliger Kreisvorsitzender einer politischen Partei und als langjähriger Dozent an der Volkshochschule sehr gut lokal vernetzt, was für meine Arbeit nahezu unabdingbar ist.
 
Worin besteht im Moment der Schwerpunkt Ihrer Aufgabe?
Der Schwerpunkt liegt im Moment in der Unterbringung und sozialen Betreuung von Flüchtlingen. Jede Gemeinde muss Flüchtlinge, die anerkannt oder länger als zwei Jahre in Deutschland sind, angemessen unterbringen, soweit sie keine private Unterkunft in Form eines regulären Mietverhältnisses finden. Hier liegt genau das Problem: die Bereitschaft der Vermieter, an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten, ist leider deutlich zurückgegangen, da viele der irrigen Meinung sind, es kämen keine Flüchtlinge mehr. Das Gegenteil ist aber der Fall: kürzlich anerkannte Flüchtlinge suchen in unveränderter Zahl eine Wohnung in den Gemeinden und so auch in Künzelsau.
 
Was ist Ihnen wichtig, was möchten Sie umsetzen, wie soll die städtische "Flüchtlingsarbeit" nach Ihrer Auffassung Gestalt annehmen?
Das lässt sich an meiner Dienstbezeichnung deutlich machen: zuerst steht da der Flüchtlingsbeauftragte. Das ist der dringende Teil meiner Arbeit, die Unterbringung, Betreuung und Versorgung der (meist anerkannten) Flüchtlinge. Versteht man Versorgung weitergefasst mit Sprache, Ausbildung, Berufseinstieg, Kultur und Alltagsleben, so sieht man die dichte Verwebung mit dem zweiten Teil meiner Dienstbezeichnung: Integrationsbeauftragter. Integration muss zeitlich gleich mit der Flüchtlingsarbeit beginnen, ist aber langfristig angelegt. Und Integration ist nur zu einem kleinen Teil reine Verwaltungsarbeit, denn Integration geschieht in Herz und Kopf der Bürgerinnen und Bürger von Künzelsau genauso wie in Herz und Kopf der Flüchtlinge. Das Bindeglied sind die Ehrenamtlichen, ohne deren beeindruckende Arbeit keine erfolgreiche Integration vorstellbar ist.
 
Worüber freuen Sie sich besonders?
Strahlende Augen! Strahlende Augen sind das Fenster in ein glückliches Herz. Strahlende Augen eines Flüchtlings, der mir seinen Anerkennungsbescheid oder seine neue Aufenthaltserlaubnis zeigt. Strahlende Augen einer Geflüchteten, die einen schwierigen Sachverhalt in fehlerfreiem Deutsch erklären kann. Strahlende Augen, wenn mir ein Geflüchteter seinen soeben unterschriebenen Ausbildungsvertrag zeigt. Und strahlende Augen eines Vaters, der einst in meinen Deutschkurs ging und mir nun seinen nachgeholten vierjährigen Sohn vorstellt.
 
In welchem Bereich erhoffen Sie sich in Zukunft grundsätzlich oder mehr Unterstützung von der Bevölkerung? Wie kann die Hilfe der Bürger in Künzelsau aussehen?
Ganz dringend sind zwei Bereiche: ich appelliere an alle Künzelsauer Haus- und Wohnungseigentümer, freie Zimmer und Wohnungen an einzelne Flüchtlinge, an Wohngemeinschaften von Flüchtlingen und an die nach Künzelsau gekommenen Flüchtlingsfamilien zu vermieten. Ich führe im Rathaus eine Wohnungsbörse, wo freie Wohnungen gemeldet werden können. Auch informiere ich gerne zu allen Fragen der Wohnraumvermietung an Geflüchtete.
Der andere Bereich, wo ich auf die Mithilfe aus der Bevölkerung hoffe, ist die ehrenamtliche Patenschaft. Flüchtlingspaten betreuen ehrenamtlich einen einzelnen Flüchtling oder eine einzelne Flüchtlingsfamilie und ebnen so den Flüchtlingen den Weg in unsere Gesellschaft. Die Paten werden in einer Arbeitsgemeinschaft im Arbeitskreis Asyl Künzelsau unterstützt und beraten. Als ständiges Mitglied von Arbeitsgemeinschaft und Arbeitskreis biete ich dort ebenso Unterstützung und Beratung an.
 
Ihre Aufgabe, Ihre Arbeit bringt Sie mit Menschen und deren ganz persönlichem Elend der Flucht und Vertreibung zusammen. Gelingt es Ihnen, dass diese Schicksale nicht auch Ihre Freizeit überlagern? Wie schaffen Sie das? Haben Sie Hobbys?
Sowohl als Deutschlehrer als auch als Ehrenamtlicher war ich für viele Flüchtlinge eine wichtige Vertrauensperson und bekam Kenntnis von grauenhaften Erlebnissen im Heimatland und während der Flucht. Verfolgung, Folter, Bombenterror und der Tod von engsten Familienangehörigen sind Schilderungen, die mir emotional sehr nahe gehen und die ich nicht einfach an der Garderobe abgeben kann. Deshalb musste ich früh lernen, wo der Schalter sitzt, mit dem ich am späten Abend, etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen, eine Tür im Kopf schließen kann. Die Tür verhindert, dass mich diese belastenden Dinge in den Schlaf verfolgen. Menschen in der Medizin, Pflege, Seelsorge oder im Rettungswesen müssen ähnliche Techniken entwickeln, um dauerhaft für die Arbeit zur Verfügung zu stehen.
Meine früheren Hobbys wie die Ahnenforschung musste ich in den letzten Jahren aus Zeitgründen stilllegen. Ich genieße aber weiterhin klassische Musik und modernes Ballett. Die Beschäftigung mit Internet und mobilen Computern ist auch am späten Abend möglich, nicht zuletzt auch um mich fit zu halten für meine nur noch wenigen Kurse an der Volkshochschule.
 
Geflüchtete Menschen in Künzelsau
Zurzeit leben rund 300 Geflüchtete in Künzelsau und seinen Teilorten. Etwa 250 leben in der vorläufigen Unterbringung des Landratsamts Hohenlohekreis, rund 20 geflüchtete Menschen wohnen heute in der Anschlussunterbringung der Stadt Künzelsau, die restlichen Menschen haben meist mit Hilfe von Ehrenamtlichen und dem Flüchtlingsbeauftragten eine private Wohnung gefunden.

  • Stadtverwaltung Künzelsau
  • Stuttgarter Straße 7,  74653 Künzelsau,  Tel.: 07940 129-0,  info@kuenzelsau.de