Pressemitteilung

Optimales Gesundheitszentrum mit Notfallversorgung wird von Bürgermeister und Gemeinderat gefordert


Das Künzelsauer Krankenhauses wird nach dem Kreistagsbeschluss vom 10. Dezember 2018 bereits zum Ende des Jahres 2019 geschlossen. Die rückgängigen Fall- und Belegungszahlen und die daraus resultierende negative Entwicklung des Künzelsauer Krankenhauses sind die hauptsächlichen Gründe dafür. Das Aus kommt damit rund drei Jahre früher als ursprünglich vom Kreistag beabsichtigt. Im Gegenzug soll das geplante Gesundheitszentrum in Künzelsau schon zum 1. Januar 2020 starten und eine akut stationäre Versorgung ausschließlich nur noch im Krankenhaus Öhringen erfolgen.
 
 „Nach wie vor halten wir, Gemeinderat und Bürgermeister, die Schließung unseres Künzelsauer Krankenhauses für falsch. Daran ist aber nichts mehr zu ändern“, bedauert Bürgermeister Stefan Neumann diese Tatsache. Leider sei die negative Entwicklung des Künzelsauer Hauses nach der Kreistagsentscheidung über die Schließung absehbar gewesen. „Jetzt müssen alle vor Ort beteiligten Kräfte versuchen, ein bestmögliches Gesundheitszentrum in Künzelsau so schnell wie möglich an den Start zu bringen und die ärztliche Versorgung der Menschen in Künzelsau und der näheren Umgebung sicherstellen.“
 
Gesundheitszentrum fasst Bestehendes und Neues zusammen
 Die vom Kreistag beschlossene Konzeption eines Gesundheitszentrums beinhaltet bestehende Einrichtungen wie das Ärztehaus mediKÜN, die Apotheke, das Sanitätshaus, das Zentrum für Psychiatrische Tagesklinik und die Praxis für Physiotherapie. Hauptbestandteil des Gesundheitszentrums wird ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sein. Das MVZ hat eine eigene Rechtsstruktur. Ärzte werden dort angestellt. Die Verhandlungen mit niedergelassenen Ärzten laufen bereits. „Ich hoffe, dass die Verhandlungen der Geschäftsführung der Hohenloher Krankenhaus Gesellschaft (HK) mit den Niedergelassenen bald mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden“, so Bürgermeister Stefan Neumann. Es wird angestrebt, dass Ärzte aus Künzelsau und Umgebung ihren Arztsitz an die neue Gesellschaft verkaufen und dann im Angestelltenverhältnis mitarbeiten oder Arztsitze auch durch die HK neu besetzt werden. Maximal vier Ärzte können sich einen Arztsitz teilen. Der Kreistag, die BBT-Gruppe und die HK versprechen sich vom MVZ, dass hierdurch langfristig die Gesundheitsversorgung mit Allgemeinmedizinern und Fachärzten gesichert werden kann, ähnlich wie es in Forchtenberg funktioniert (derzeit zwölf Ärzte). Ziel ist es, in Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten, keine Versorgungslücken in der Zukunft entstehen zu lassen.
 
Neu in der Region: integrative, ganzheitliche Medizin
Am Gesundheitszentrum soll zudem ein Angebot für integrative, ganzheitliche Medizin gemacht werden. Ziel dieses in der Region in der Form noch nicht bestehenden Angebotes ist es, optimale Behandlungsansätze aus konventioneller Medizin und wissenschaftlich evaluierter Naturheilkunde zu kombinieren. Unterstützung erhalten die BBT-Gruppe und die Hohenloher Krankenhaus Gesellschaft dabei vom Klinikum Essen Mitte (http://www.kliniken-essen-mitte.de/naturheilkunde).
 
Betten für Kurzzeitpflege
Am Standort in Künzelsau sollen darüber hinaus Betten für Kurzzeitpflege entstehen, so der Kreistagsbeschluss. „Für mich“, so Bürgermeister Stefan Neumann, „ist das ein sehr wichtiger Baustein. Die Tendenz, dass Patienten im Rahmen eines „Verweildauermanagements“ schnell auf dem Krankenhaus entlassen werden, ist nicht neu und wird steigen. Die Menschen können aber nicht immer gleich nach Hause. Wohnortnahe Kurzzeitpflegeplätze sind für diese Lücke eine sinnvolle Ergänzung.“
 
Rettungsdienst aufstocken
Dringend erforderlich ist nach Auffassung von Bürgermeister Stefan Neumann aber auch, dass der Rettungsdienst hervorragend ausgestattet und aufgestockt werden muss. Der Kreistag hat den Kosten für die Aufrüstung der Notfallsysteme des Rettungsdienstes mit Telemedizinischen Anbindungen zugestimmt und begrüßt die Überprüfung des Bedarfs weiterer Rettungsmittel. Über eine weitere Aufstockung der Rettungsmittel hat der Bereichsausschuss (unter anderen DRK und Krankenkassen) ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse noch nicht vorliegen.
 
Notfalldienst rund um die Uhr
Zu einer sichergestellten ärztlichen Versorgung gehört unabdingbar ein Notfalldienst rund um die Uhr. Diese Forderung hat Bürgermeister Stefan Neumann am vergangenen Montag als Antrag zur Abstimmung in die Kreistagssitzung eingebracht. Der Antrag wurde unterstützt von den Kreisräten Christian Freiherr von Stetten, Gudrun Struve, Martin Braun, Birgit Muth, Simone Kobel-Richter und Professor Dr. med. Christoph A. Karle. Die Mehrheit des Kreistags ist dem Antrag gefolgt und hat beschlossen, dass im Rahmen eines Pilotprojektes ein „24/7 Sitzdienst“ etabliert wird. In Stunden, in denen weder das Gesundheitszentrum noch die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung besetzt sind, wird ein Arzt vor Ort im Gesundheitszentrum sein. Damit wäre auch in den Nachtstunden und an den Wochenenden eine ärztliche Betreuung gegeben. Ein solcher Sitzdienst kann nicht nur für die Bevölkerung in Künzelsau, sondern für alle Einwohner der Umgebung zur Anlaufstelle werden. Der Kreistag hat den „24/7 Sitzdienst“ beschlossen. Das Projekt, so der Kreistagsbeschluss, soll jährlich evaluiert werden und ist zunächst auf drei Jahre angelegt „Das ist natürlich kein Ersatz für ein Krankenhaus“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Für uns alle ist es aber erforderlich, eine Anlaufstelle zu haben, zu der man rund um die Uhr mit kleinen Verletzungen und leichten Beschwerden kommen kann. Ich freue mich über dieses starke Signal des Kreistages.“
 
Hintergrund
 
BBT-Gruppe
Die BBT-Gruppe, Barmherzige Brüder Trier gGmbH, hat als Mehrheitsgesellschafter Verantwortung für die Hohenloher Krankenhaus gGmbH übernommen. Auch das Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim ist eine Einrichtung der BBT-Gruppe.
 
VERAH®
Im Rahmen des MVZ könnten die VERAH® (Versorgungsassistent in der Hausarztpraxis) für die Hausärzte beispielsweise im Bereich Impf- und Medikamentenmanagement oder Wundmanager unterstützend eingesetzt werden.
 
Kurzzeitpflege
Vollstationäre Pflege einer pflegebedürftigen Person für eine begrenzte Zeit, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die häusliche Pflege für eine bestimmte Zeit ausgesetzt werden muss oder soll.
 
Ambulantes Zentrum integrative/ganzheitliche Medizin
Integrative Medizin wird durch die Ergänzung der Schulmedizin mit naturheilkundlichen Verfahren, die wissenschaftlich belegt sind, definiert. Sie ersetzt die schulmedizinischen Verfahren nicht, sondern ergänzt.
 
Aufrüstung der Notfallsysteme (Telemedizinische Anbindung)
Ein technisches System verzahnt Rettungsdienste und Krankenhäuser, in dem es bereits während des Transports wichtige Vitaldaten der Patienten übermittelt. Für die Rettung verschafft es allen einen deutlichen Zeitvorsprung.

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