Pressemitteilung

Grüße ins All zu Alexander Gerst


Als gegen 17.15 Uhr am 26. Juli der ESA-Astronaut Alexander Gerst auf der großen Leinwand der Bühne vor dem Alten Rathaus zu sehen ist, brandet Jubel auf. Knapp 5.000 Menschen schicken die großen roten Buchstaben, eine besondere Grußbotschaft, mit viel Sympathie und großem Interesse ins All zu Künzelsaus Ehrenbürger Alexander Gerst. Während der gesamten 20-minütigen Liveschaltung zur Internationalen Raumstation ISS herrscht aufmerksame Stille. „Das zweite Mal hier oben zu sein ist sehr viel entspannter und einfacher, weil man sich schon auskennt. Ich hab mich so gefühlt, als ob ich nie weg gewesen wäre. Es ist ungefähr so, wie wenn ich nach Künzelsau oder nach einer ganzen Zeit weg nach Hause komme“, antwortet Alexander Gerst beim Live-Call auf die Frage von Bürgermeister Stefan Neumann, wie es dem ESA-Astronauten bei seiner zweiten Mission im All geht. Er habe eine tolle Crew und es mache Spaß jeden Tag mit ihr zu arbeiten. Locker und sehr sympathisch erzählt er von seiner Arbeit, seinen Experimenten die er in Schwerlosigkeit in der Internationalen Raumstation ISS durchführt. Um Krankheiten wie Krebs und Multiple Sklerose besser zu verstehen, verwenden die Astronauten ihr eigenes Blut zu Forschungszwecken. Nahrung in Form von Algen und Salat für Expeditionen zu züchten, die weiter hinaus in den Weltraum führen, sind Versuche, die die Crew im Columbus-Labor der ISS durchführt. Er zeigt das versteinerte Fossil aus Hohenlohe, das ihn während seiner Mission horizons als Souvenir aus der Heimat begleitet. Extra für das Gespräch mit der Fanmeile auf der Künzelsauer Hauptstraße hat er an der Wand zwei kleine Wimpel mit dem Künzelsauer Stadtlogo, der deutschen und ungarischen Flagge aufgehängt. Eine besondere Grußadresse an seine Heimatstadt und deren ungarische Partnerstadt Marcali.
 
ISS – wertvollste Maschine, die Menschheit gebaut hat
Landrat Dr. Matthias Neth erkundigt sich, was der Astronaut von der ISS mit in die Heimat bringen wird. „Die ISS ist die komplexeste und wertvollste Maschine, die die Menschheit je gebaut hat und sie ist von Menschenhand hierher gebracht worden, in einer internationalen Kooperation. Das hätte eine Nation alleine nicht geschafft“, holt Gerst weit aus. „Die Experimente in der Schwerelosigkeit kann man nirgendwo auf der Erde nachbauen, in keinem Labor der Welt. Wir nutzen den Weltraum, obwohl hier gar nichts ist. Die nächsten Planeten sind Mond und Mars.“ Daran sei zu sehen, dass die Menschen ein Inselvolk sind und drum herum ein großes schwarzes Meer. „Das müssen wir verstehen und deshalb ist es wichtig, dass wir in Zukunft auch zu diesen Orten reisen, die sehr relevant für unser Selbstverständnis und unsere Sicherheit auf der Erde sind. Deswegen ist das, was ich gerne aus dem Weltraum mitbringen würde, neben den ganzen Versuchen und wichtigen Daten für die Erde, ein Stein vom Mond und vom Mars. Das sind die nächsten Ziele, die nächsten Kontinente zu denen wir aufbrechen und erforschen werden. Wir arbeiten im Moment schon dran. In nicht allzu langer Zeit werden wir dort sein und das ist ein wichtiger Schritt für uns als Menschheit. Genau das würde ich gerne mitbringen – symbolisch natürlich, weil viel wichtiger als die Steine, ist natürlich die Perspektive.“
 
„Wir dürfen nicht aufgeben, dieses System besser zu verstehen“
Dass sein Arbeitsalltag ähnlich dem auf der Erde ist, antwortet Gerst auf die Frage der Künzelsauer Schülerin Antonia Helferich. „Wir arbeiten von Montag bis Samstag, von ungefähr halb acht morgens bis halb acht abends.“ Eine Stunde ungefähr bleibt dem Astronauten am Tag für Freizeit, Sport, Telefongespräche mit der Familie und, um aus dem Fenster zu schauen.
Anja Herrmann ist Energie-Scout bei ebm-papst in Mulfingen und möchte wissen, ob die Veränderungen zum Klimawandel und zur Umwelt oder der Plastikmüll in den Weltmeeren aus dem All zu sehen sind und, ob in der ISS dazu Forschung betrieben wird. In der Tat, so der Astronaut, gebe es in der ISS einige Aktivtäten um den Klimawandel besser zu verstehen. Denn darum gehe es, wenn man dem Klimawandel entgegenwirken wolle. Es gebe „weltweit Daten, die ganz eindeutig darauf hinweisen, dass sich was tue in unserem Klima“. Man wisse aber noch nicht im Detail, was an welcher Stelle vor sich geht, wie man dem entgegenwirken kann. All das müsse gut erforscht werden. „Wir dürfen nicht aufgeben, dieses System besser zu verstehen.“ Deshalb gebe es auf der Raumstation einige Sensoren die das Erdklima beobachten und helfen, es zu durchschauen. „Wir machen Experimente um zu verstehen, wie unsere Erde CO2 Kohlendioxid aus der Erdatmosphäre rausnimmt und in Sedimenten speichert.“ Nebenbei sei es aber schon so, dass man aus dem Fester schaue und sich selbst fragt, was denn auf der Erde passiere, was vor sich gehe. Tatsächlich sei vieles zu erkennen: Mehr Regenwälder sind gerodet als noch bei seinem letzten Flug. „Man sieht viele Gletscher, die kleiner geworden sind und Seen, die noch mehr ausgetrocknet sind. Es ist erschreckend, dass man doch so vieles sehen kann.“ Den Plastikmüll könne er zum Glück vom All aus noch nicht sehen. „Das wäre auch eine Katastrophe. Das heiß nicht, dass er nicht existiert.“ Beim Klimawandel dürfe man sich nicht blenden lassen, wenn einige Sachen zu sehen und einige nicht zu sehen sind. „Selbst bei der globalen Erwärmung gibt es Orte, wo es mal kälter wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie nicht stattfindet. Wir müssen uns hier tatsächlich auf die Wissenschaft verlassen. Und es ist wichtig, dass wir uns nicht nur auf das verlassen, was wir sehen können.“
 
Perspektive auf unseren Planten von außen
Was Alexander Gerst am meisten fasziniert, was von der ISS aus zu sehen ist, möchte Jürgen Albrecht wissen. Tatsächlich hat Gerst bereits die Chinesische Mauer fotografieren können. „Das Wichtige ist, dass wir von hier oben eine Perspektive haben auf unseren Planeten von außen. Das heißt, man schaut runter und sieht die Erde plötzlich nicht mehr als einfach nur die Erde, die unendlich groß ist und unendlich riesige Ressourcen hat. Sondern, dass man wirklich realisiert: das ist einfach nur eine Steinkugel. Alles was darauf ist, ist endlich. Die Atmosphäre, die sie umgibt ist sehr dünn. Die können wir locker verpesten und unbewohnbar machen. Das ist die Perspektive, die sehr, sehr wichtig ist. Dann gibt es auch Dinge, die einfach nur wunderschön sind, wie die Aurora von oben, Blitze und ein tropischer Gewittersturm von oben und Städte bei Nacht.“
Wie im Flug vergeht der Kontakt zur ISS, den ESA-Astronaut Reinhold Ewald moderiert. Kristina Sterz, die Moderation des Nachmittags, spricht unter andern mit Alexander Kranich und Gabriele Schätze, die mit den Drittklässlern der Grundschule Amrichshausen den Trickfilm "Die Abenteuer des Alexander Gerst" gemacht haben. Dr. Gerd Kraft vom DLR-Raumfahrtmanagement hat über die Erwartungen von der Mission gesprochen. Über die Vorbereitungen und Experimente der Mission hat DLR-Missionsmanager Volker Schmid berichtet. Zum Ausklang macht die Band Gravitiy Musik.
Trotz der Hitze sind viele Besucher gekommen und das Medieninteresse war groß. Die Medienvertreter hatten bereits um 11 Uhr im Rathaus die Gelegenheit sich von DLR-Missionsmanager Volker Schmid und den Pressesprechern von DLR, Andreas Schütz und ESA, Marco Trovatello Informationen rund um die Mission horizons zu holen. „Danke für die hervorragende Zusammenarbeit an das Team von DLR und ESA“, sagt Bürgermeister Stefan Neumann als er am Abend mit den Beteiligten ein Resümee des Tages zieht. „Ohne deren hervorragende Unterstützung wäre die Veranstaltung nicht möglich gewesen. Einen super Job haben aber auch alle anderen Beteiligten gemacht, die Caterer, das Experimenta-Team, das Security-Personal und die Mitarbeiter des Bauhofs und der Stadtverwaltung. Am allerbesten waren das Publikum, das die Herausforderung Hitze angenommen hat und die Anwohner in der Innenstadt, die sich mit den Beeinträchtigungen und der Straßensperrung arrangiert haben. Danke!“

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